Wo sind sie geblieben?

Lucas Kurth studiert an der Westfälischen Hochschule Journalismus und Public Relations

Am 1. Juli 2017 endete für mich ein langer Lebensabschnitt. Nach insgesamt vier Jahren am Kuniberg Berufskolleg Recklinghausen - drei Jahre bei den Kaufmännischen Assistenten und ein Jahr in der Fachoberschule 13 - hielt ich mein Abiturzeugnis in der Hand. Diese Zeit hat mir vorwiegend schöne Erlebnisse beschert und mich geprägt. Neue Freundschaften wurden geschlossen, gemeinsam für das große Ziel gelernt und am Ende gefeiert.

Doch wo ein Lebensabschnitt endet, beginnt gleichzeitig ein neuer. Für mich heißt dieser ein Studium an der Westfälischen Hochschule in Gelsenkirchen. Dort studiere ich seit Oktober des vergangenen Jahres Journalismus und Public Relations. Auf der einen Seite lerne ich das Handwerk eines jeden Journalisten – bedeutet das Verfassen von Nachrichten, Berichten, Reportagen, aber auch Bilder zu bearbeiten und Videos zu schneiden. Auf der anderen Seite lerne ich die Öffentlichkeitsarbeit kennen, hierbei ist es wichtig, die Kommunikation eines Unternehmens zu steuern und den Kontakt mit der Presse zu halten. Dazu kommt der praktische Teil. So durfte ich bereits Erfahrungen durch verschiedene Praktika sammeln zum Beispiel bei Radio, Fernsehen, Zeitung und Künstlermanagements. Solche Erfahrungen helfen, später in die Branche zu gelangen.

Der Studiengang besteht aus zwei Zahnrädern, die ineinander greifen und später im Berufsleben miteinander verbunden sind. Ich habe neue Menschen kennengelernt, viele zähle ich heute zu meinen Freunden. Gerade wegen der geringen Anzahl an Studierenden kommt es mir manchmal vor wie eine kleine Familie. Für mich wird es im Februar ernst, dann stehen die ersten Klausuren an. Auch diese Erfahrung wird mit Sicherheit spannend – in jeglicher Hinsicht. Es war zweifelsfrei die richtige Entscheidung, dort zu studieren, und ich bereue es zu keiner Sekunde!

Aber an einem Tag im Jahr kommen meine ehemaligen Klassenkameraden und Freunde an den Kuniberg zurück. Wenn das Kuniberg Berufskolleg zum jährlichen Ehemaligentreffen einlädt, werde ich da sein und bin gespannt, wie es meinen Freunden ergangen ist…

 

Philipp Schievelbusch macht den Hattrick auf dem Kuniberg

Als ich heute beim Durchstöbern meines Ordners mein Zeugnis der FOS 13 wiederfand, kamen sie wieder. Die Erinnerungen an den Tag, an dem ich es 2015 entgegennehmen durfte. Die Erinnerungen an ein Jahr, das so viel zu bieten und doch - dies darf man auch nicht unterschla gen - unheimlich viel forderte. Die Erinnerungen an altbekannte - und an neue Gesichter, die in der für sie neuen Schule und dem neuen Umfeld Fuß fassen mussten. Die Erinnerungen an die Flüchtlingssituation und die damit verbundenen diversen Hilfsaktionen, die wir in Kooperation mit den Lehrern und dem gesamten Klassenverbund angingen. Nicht zuletzt auch die Erinnerung an die Klassenfahrt nach Berlin mit Momenten, von denen man sich heute noch gerne erzählt.

Ein Jahr. Ein Zeitraum, der sich zunächst nicht lange anhört, der aber noch schneller vorbei ist. Die Integration in die Klassengemeinschaft fiel nicht schwer, viele meiner vorherigen Klassenkameraden entschieden sich, diesen Weg mit mir zu gehen. Jene, die von anderen Schulen und Berufskollegs kamen, wurden wunderbar integriert, und so wurde aus dem zuerst nicht vollständigen Puzzle eine Gemeinschaft, die durch die gemeinsame Planung von Klassenfahrt oder die Organisation von Spenden immer weiter bestärkt wurde. Der Unterricht, anspruchsvoll wie er war, hat doch Spaß gemacht. Geholfen haben hierbei sicherlich die Vorkenntnisse und Erfahrungen aus den drei Jahren als Kaufmännischer Assistent.

Zu einem Kinderspiel wurde es beileibe nicht. Das besagte Abitur bestand ich mit einem Notendurchschnitt von 1,7. Mit einem solchen Schnitt stehen mir alle Tore offen, so dachte ich. Trotzdem war mir schon relativ früh klar, wie es weitergehen sollte. Auch durch mein familiäres Umfeld entschied ich mich, eine Ausbildung bei der Sparkasse Vest Recklinghausen, einem der größten Arbeitgeber und dem größten Finanzdienstleister im Kreis Recklinghausen, zu beginnen.

Heute, knapp zweieinhalb Jahre später, reiht sich neben das Zeugnis der allgemeinen Hochschulreife erneut eines vom Kuniberg Berufskolleg. Dieses Mal ist es jedoch das Abschlusszeugnis für den Beruf Bankkaufmann. Trotz der Unterschiedlichkeit der beiden Zeugnisse, lassen sich Parallelen erkennen. Wirft man einen Blick auf den inhaltlichen Aspekt, so muss nicht lange gesucht werden, um hier - im betriebswirtschaftlichen Bereich - und dort - im volkswirtschaftlichen Teil - thematische Überschneidungen zu erkennen.

Für meinen Teil kann ich sagen, dass mich die Zeit als Kaufmännischer Assistent, aber vor allem auch in der FOS 13 sowohl thematisch als auch vom Niveau her optimal auf meinen späteren Ausbildungsberuf vorbereitet hat. In den genannten Fächern hatte ich anderen Auszubildenden gegenüber einen kleinen Wissensvorsprung, der mir den Einstieg erleichtert hat, den man wiederum nicht auf die zu leichte Schulter nehmen sollte. Genau wie zu Zeiten der FOS 13 war es auch hier immens wichtig, „am Ball zu bleiben“, um die gewünschten Resultate erzielen zu können. Das zahlte sich am Ende aus, denn ich bestand die Prüfung vor der Industrie- und Handelskammer mit gutem Erfolg.

Wieder ein Abschluss - am Kuniberg der dritte -, wieder das Ende eines Lebensabschnitts. Wieder vor der Entscheidung stehen: Wie geht es weiter? Der Ausbildungsberuf Bankkaufmann ist trotz eines Imageverlustes in den vergangenen Jahren, forciert durch die weltweite Banken- und Finanzkrise, immer noch einer der am höchsten angesehenen Berufe in Deutschland. Trotz dieses Fakts zieht es mich dennoch weg, hin zu einem Studium oder einem anderen Betrieb. Denn man darf nicht leugnen, dass sich die Banken zurzeit einem extremen Strukturwandel unterwerfen müssen, der in einem Zuwachs der Digitalisierung und einem Rückgang der Kundenzahlen zu begründen ist.

Ganz gleich wohin der Weg führt, die Erfahrungen am Kuniberg, die ich sechseinhalb Jahre gewinnen durfte, helfen dabei, mich für den richtigen zu entscheiden.

Leonard Tonscheidt studiert „Unternehmensjurist“ in Mannheim

„Ich bin von der Maristen-Realschule Recklinghausen zum Kuniberg Berufskolleg gekommen. Habe dort den Kaufmännischen Assistenten begonnen. Es war am Anfang etwas ganz Neues, da wir eigentlich alle nochmal komplett bei null anfangen konnten. Keiner hatte Erfahrungen mit kaufmännischer Mathematik oder gar Buchführung. Dies haben wir jedoch recht schnell beigebracht bekommen und ich merkte, dass mir das liegt und ich Spaß daran habe. Eine willkommene Abwechslung zum Schulalltag war dann die Skifreizeit, bei der wir uns in der Stufe alle noch besser kennenlernen konnten.

Eine weitere sehr interessante Erfahrung war das EMAS-Projekt, das wir mit fünf weiteren Nationen durchgeführt haben. Es war eine sehr gelungene und abwechslungsreiche Zeit. Am Ende hatte ich einen Schnitt von 1,6 und habe mich dazu entschlossen, den 2013/14 erstmals am Kuniberg Berufskolleg angebotenen Bildungsgang, ‚FOS13‘ zu beginnen. Das war das Beste, was für mich in Frage kam. Dieser Bildungsgang gab mir die Möglichkeit in einem Jahr die Allgemeine Hochschulreife ‚nachzuholen‘.

Dieses Jahr hatte gerade angefangen, man hatte gerade neue Freunde gefunden, da war es auch schon wieder vorbei. Die Erfahrungen waren durchweg positiv, die Lehrer haben sich sehr bemüht, keinen auf dem Weg zum Abitur zu verlieren. Da wir nur ein Jahr Zeit hatten, um den Abschluss zu schaffen, blieb keine Zeit für Projekte. Aber es gab trotzdem Zeit für uns. Es haben sich sehr starke Freundschaften gebildet. Dieses Jahr habe ich mit einem Schnitt von 1,4 abschlossen und stand vor der Frage ‚Was jetzt…?‘.

Ich wollte auf jeden Fall entweder Jura, Medizin oder BWL studieren. Medizin ist recht schnell weggefallen. Dann blieben noch Jura und BWL. Beim Bewerben bei den Universitäten habe ich mich einfach für beides beworben. Dann bin ich aber auf den in Deutschland einmaligen Studiengang ‚Unternehmensjurist‘ in Mannheim gestoßen. Habe mich dort auch beworben und wurde angenommen. Der ‚Unternehmensjurist‘ ist eine Mischung aus BWL und Jura. Man macht zunächst in drei Jahren den Bachelor in BWL. Im Anschluss hat man die Möglichkeit den Master in BWL zu machen oder sich auf das juristische 1. Staatsexamen vorzubereiten.

Das Studium ist anspruchsvoll, aber zu schaffen. Allerdings sollte man wissen, worauf man sich einlässt und man sollte vorher wissen, dass das Semester in Mannheim den internationalen Universitäten angepasst ist und somit einen Monat früher beginnt als normal in Deutschland. Ansonsten wird es doch stressig mit der Wohnungssuche.“

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