Zum Auftakt der Nachhaltigkeitswoche 2024 hat der Meeresbiologe Dr. Udo Engelhardt am Montag (7. Oktober) im Forum über das Thema „Eine Welt, ein Klima und eine (letzte) Chance – Willkommen im Jahrzehnt der Entscheidung“ gesprochen. Sechs Lerngruppen aus der Berufsschule und aus dem Vollzeitbereich waren dabei. Die stellvertretende Schulleiterin Anja Kobus begrüßte die Schüler:innen und den Referenten. Am Rande der Veranstaltung nahm sich der prominente Klimafolgenforscher Zeit für die Beantwortung dreier Fragen der Homepage-Redaktion.
Frage: Vor zwei Jahren waren Sie erstmals am Kuniberg Berufskolleg? Hat sich in der Zwischenzeit das Bewusstsein für die Problematik des Klimawandels entwickelt?
Dr. Engelhardt: Bei all den Menschen, die den Klimawandel verstanden und verinnerlicht haben, bleibt das Bewusstsein natürlich immer bestehen. Das ist nun mal die größte Aufgabe der Menschheitsgeschichte. Sie bleiben an dem Thema dran. Leider sind in den vergangenen beiden Jahren andere Themen durch die Politik nach vorne gespielt worden, die von der Wichtigkeit her jedoch nicht vergleichbar sind.
Wir müssen noch besser werden in der Kommunikation dessen, was tatsächlich passiert. Wir müssen das an die Leute tragen, dass sie sich darüber bewusst werden, dass es in den nächsten Jahren um alles geht. Da würde ich mir sehr wünschen, dass viel mehr Menschen, auch die Medien und größere Teile der Politik, das so ehrlich kommunizieren, wie wir es eigentlich müssten.
Frage: Wie wichtig ist Ihnen die Arbeit mit jungen Menschen wie hier am Kuniberg Berufskolleg?
Dr. Engelhardt: Ich freue mich wirklich sehr, dass ich mittlerweile zum dritten Mal am Kuniberg sein und einen Vortrag zur Klimakrise halten darf. Das ist super. Ich mache das des Öfteren, meine Zielgruppe, um die Informationen zur Klimakrise an die Menschen zu bringen, ist zwischen acht und 80 Jahren. Ich bin an Schulen unterwegs, auch an Grundschulen, wo ich das Thema anders herunterbreche, sodass es für die Kleinen irgendwie greifbar ist. Aber es ist immens wichtig, dass alle Teile der Gesellschaft mitgenommen werden. Logischerweise sind die potenziellen Auswirkungen einer schlimmer werdenden Klimakrise für die jüngeren Menschen umso dramatischer. Wir sollten das unbedingt vermeiden, wir sollten ehrlich und offen mit allen umgehen, damit alle etwas tun können, dass es nicht so weit kommt.
Frage: Wie beurteilen Sie die Aufgeschlossenheit junger Erwachsener, wie es unsere Schüler sind, für das Thema?
Dr. Engelhardt: Die jungen Menschen spiegeln unsere Gesellschaft komplett wider, was nicht verwunderlich ist. Das heißt, die Aufgeschlossenheit für das Thema ist in der breiten Gesellschaft auch nicht gleichbleibend. Es gibt immer noch Menschen, die die Klimakrise leugnen und dauerhaft gegen natürliche Grundgesetze argumentieren. Zum Glück werden die mehr, die verstanden haben, worum es geht. Die jungen Leute bilden keine schlechte oder positive Ausnahme. Es geht darum, die Aufgeschlossenheit weiter zu verbreitern. Man muss die Realität auf dem Schirm haben, um sinnvoll dagegen anzugehen. Wenn man in einer Welt mit Halbwahrheiten unterwegs ist, haben wir schlechte Karten. Mehr Leute müssen dazukommen. Da arbeite ich dran.